Worüber die Quäntchen so quatschen – der Wochenrückblick

Worüber die Quäntchen so quatschen – der Wochenrückblick

20. August 2012 | von Andre Dücker

Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk: der Wochenrückblick. Dieses Mal geht es um das möglicherweise zukünftige Unwort des Jahres „Social Media“, fehlende Ansprachen, unbezahlte Fotos und die Geschichte des Weblogs.

Zielgerichtete Kommunikation erwünscht

Alles dreht sich zurzeit im Internet um Social Media. Jeder muss Social Media machen. Am besten auf allen verfügbaren Kanälen und mit möglichst tollen Strategien und Konzepten. Die Bloggerin Christine Heller (aka punktefrau) ist sichtlich genervt von diesem Trend. In ihrem Beitrag „Lasst es uns bitte Internet nennen“ macht sie auf die oftmals unterschiedliche Definition und Auffassung von Social Media aufmerksam. Heller schreibt: „Alle sprechen von Social Media, aber meinen nicht immer das Gleiche.“ Wie wir den Begriff verstehen, haben wir schon vor einiger Zeit aufgeschrieben.

Viele Unternehmen würden „das Pferd von hinten aufzäumen“ und eine Social-Media-Strategie aufstellen, die nichts mit der strategischen Ausrichtung gemein habe. Vielmehr sollen sich die Unternehmen vorher ihrer Strategie und Botschaft bewusst sein und im nächsten Schritt über geeignete Plattformen und Kanäle zur Kommunikation dieser nachdenken.

Ein Pressebereich für alle

Den Blogger Robert Basic beschäftigt etwas ganz anderes. Er bemängelt in einem Blogbeitrag die fehlende Ansprache für Blogger in Presse- beziehungsweise Infobereichen von Unternehmenswebseiten. Für ihn sei es selbstverständlich, die Anrede den digitalen Publikationskanälen anzupassen. Unternehmen sollten sich Bloggern gegenüber nicht sperren, sondern sie willkommen heißen und begrüßen, dazu gehöre nun mal auch eine passende Ansprache. „Kommunikationsstrategisch“ und „informationstheoretisch“ sei es nicht erklärbar auf diejenigen zu verzichten, die über die Unternehmen berichten wollen. Im Klartext fordert er: „Her mit der Bloggersprache auf euren Presseseiten.“

In den Kommentaren wird die Frage aufgeworfen, inwieweit eigene Blogger Bereiche mit speziell angefertigten Informationsmaterialien sinnvoll sind. Wir finden, dass es lieber einen Bereich für alle Informationssuchenden geben sollte – egal ob sie sich Journalist, Blogger oder Facebooknutzer nennen. Eine freundliche und passende Ansprache sollte sowieso selbstverständlich sein.

Kein Geld für Fotos

Fotograf und Blogger Patrick Ludolph hat eine fast unglaubliche Geschichte zu erzählen. Vergangene Woche bekam er einen Anruf von faz.net (Online-Portal der Frankfurter Allgemeinen Zeitung). Diese wollten eines seiner Fotos für einen Artikel in der Online-Ausgabe verwenden. Der faz.net Mitarbeiter stellte jedoch direkt klar, dass für Online-Veröffentlichungen nichts gezahlt wird. Auf die Nachfrage von Patrick Ludolph, ob man wenigstens einen Link zu seiner Website unter das Foto setzen könne, antwortete der faz.net-Mitarbeiter: „Das ist technisch leider nicht möglich, wir können nur den Namen unter das Foto schreiben.“

Fotos für umsonst? Ludolphs Beitrag traf in der Netzgemeinde auf breite Zustimmung. In den Kommentaren unter dem Artikel stellte Cai Philippsen von faz.net klar, dass es keine technischen Gründe gab den Blog von Patrick Ludolph nicht zu verlinken, die Redaktion wollte die Verlinkungen aus redaktionellen Gründen nicht.

Die Geschichte des Weblogs

Bloggerin Daniela Warndorf nimmt ihre Leser mit auf eine Zeitreise über die Entstehung des Weblogs. Alles begann mit einer Handvoll Blogs. Heute sind es über 200 Millionen Blogs. In den 90er Jahren ging’s los. Als erster offizieller Blog gilt bis heute die Webseite von Tim Berners-Lee, Gründer des World Wide Webs und Erfinder der Hypertext Markup Language (kurz HTML).

Der Begriff Blog wurde jedoch erst 1997 durch Jorn Barger geprägt. In seinem Netztagebuch „Robot Wisdom“ sammelte er Links, persönliche Einträge, Essays und Geschichten. Der Begriff Weblog leitet sich aus den Wörtern „Web“ für das Internet und „Log“ für Tagebuch ab. Auch dieser Blog ist wie der von Tim Berners-Lee bis heute online einsehbar.

Den wirklichen Durchbruch konnten Blogs aber zwischen 1998 und 2004 verzeichnen. Als Meilenstein in der Durchsetzung der Blogs gilt die Erfindung von RSS im Jahre 2000. Blogs konnten nun einen Feed anbieten, der es ermöglichte sich automatisch über neue Artikel oder Kommentare informieren zu lassen.

Die neuste Entwioklung:  Microblogs und soziale Netzwerke. Hier geht es um das Publizieren von kurzen Nachrichten und Statusmeldungen. Im Gegensatz zu einem richtigen Weblog verliert man hier aber ein Stück seiner Unabhängigkeit, da man Inhalte und seine Daten in die Hände von Anbietern wie Facebook und Twitter legt. Bei Microblogging-Anbietern trägt man immer das Risiko, dass Inhalte verloren gehen. Ein weiteres Risiko: Der Dienst verliert Nutzer und die eigenen Inhalte dort liegen Brach. Von einem ehemals großen Anbieter wie Myspace spricht laut Daniela Warndorf heute kaum noch jemand. Bei selbst gehosteten Blogs passiert das alles nicht.

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