Worüber die Quäntchen so quatschen – der Wochenrückblick

Worüber die Quäntchen so quatschen – der Wochenrückblick

13. August 2012 | von Andre Dücker

Pünktlich zum Wochenanfang: der Wochenrückblick. Unser Thema der vergangenen Woche: Shitstorms.

Shitstorm: die unappetitliche Empörungswelle

Nahezu jeder, der sich regelmäßig im Netz bewegt, wird mit einer ganz speziellen Form des Userfeedbacks Bekanntschaft machen: dem Shitstorm. „Neudeutsch für eine Empörungswelle – dies bezeichnet ein Internet-Phänomen, bei dem massenhafte öffentliche Entrüstung, sachliche Kritik sowie auch völlig unsachliche Beiträge das Internet zu einem Thema überfluten. Ein solches Blograuschen kann sich auch auf eine spezielle Person, ein Profil oder einen Account konzentrieren, wobei die Flut der Beiträge das Ziel letztlich zumüllen.“ So definiert das Szenesprachenwiki das Wort Shitstorm.

Von der Mücke und dem Elefanten

Die Auslöser für einen Shitstorm sind mannigfaltig, oftmals reicht schon eine Kleinigkeit aus, um eine Welle der Entrüstung durch die sozialen Netzwerke zu jagen. Klassischerweise beginnt ein Shitstorm mit kritischen Rückmeldungen einzelner Personen. Das Medienecho ist zu dieser Zeit noch sehr gering, beziehungsweise nicht vorhanden. Das laue Lüftchen kann sich jedoch in Windeseile zu einem tosenden Tornado entwickeln. Die letzte Phase ist geprägt von einem ungebremsten Schneeballeffekt mit aggressivem Tonfall. Das Medienecho ist groß, intensive Berichterstattung findet in allen Medien statt. Zugegeben: Dies dürfte für die Meisten mittlerweile nichts Neues sein, deshalb wollen wir diesen Punkt bewusst kurz halten.

Wer’s genau wissen will oder nochmal nachlesen will, sollte sich die Shitstorm-Skala der Social-Media-Experten Barbara Schwede und Daniel Graf zu Gemüte führen.

Shitstorms als PR-Maßnahme?

Shitstorms sind zurzeit in Mode, findet auch der Blogger Kai Thrun. In seinem oft geteilten Beitrag „Der gekaufte Shitstorm“ hat er sich Beiträge, Kommentare und Likes der kürzlich entfachten „Fäkalwindhosen“ von McDonalds, Vodafone, H&M und Galileo mal genauer angeschaut und dabei Verblüffendes festgestellt. Die Likes der einzelnen Kommentare scheinen manipuliert und künstlich gepusht worden zu sein. Dafür spricht laut Thrun der periodische und schlagartige Anstieg der Likes zu ungünstigen Zeiten. Im Falle Galileo hatte sich User Max über das fehlende Niveau der Beiträge bei Galileo aufgeregt. Sein Post erhielt fast 93.000 Likes. Auffällig ist, dass einige Kommentare periodisch mit zwölf Stunden Verzögerung gepostet wurden. Der Beitrag blieb also über zwölf Stunden kommentarlos. Denkbar und möglich ist dieses Vorgehen schon. Likes könnten beispielsweise durch den Einsatz von Fake-Profilen generiert werden. Dies würde zur starker Sichtbarkeit einzelner Beiträge führen und so letztendlich Aufmerksamkeit erregen. Frei nach dem Motto: „Auch schlechte Publicity ist Publicity.“

Thrun sieht also eindeutige Indizien für die künstliche und gezielte Generierung von Likes zugunsten der gesteigerten Aufmerksamkeit.

Banal und völlig egal

Der Blogger Nico Lumma findet, Shitstorms sind die Aufregung nicht wert. Jede Woche gebe es neue virtuelle Protestwellen in Deutschland und jede Woche sei die Aufregung aufs Neue riesengroß. Nach einer Entschuldigung und gegebenenfalls ein paar warmen Worten seitens des „Auslösers“ sei die Sache aber nach wenigen Wochen vom Tisch. Das Auftreten von Shitstorms ist laut Lumma selbstverständlich. Gerade bei Unternehmen in Branchen mit hoher Kundenunzufriedenheit sei es nahezu natürlich, dass es zu geballten Unmutsäußerungen kommt. Die Aufmerksamkeit sei jedoch allenfalls punktuell und zeitlich limitiert. Nach einer mehr oder weniger kurzen Zeit richte sich die Aufmerksamkeit der Nutzer wieder anderen Dingen zu. Alles halb so wild.

Die Timeline für Shitstorms

Shitstorms kommen schnell auf und sind oft genau so schnell wieder vergessen. Die Macher von Social Media Punch halten vergangene Shitstorms deshalb für die Nachwelt fest. Sie werden in einem Zeitstrahl gesammelt und redaktionell in Form von Blogartikeln aufbereitet. So bleiben die teilweise sehr unterhaltsamen Geschehnisse übersichtlich und chronologisch sortiert erhalten. In diesem Sinne: „Viel Spaß und Wohl bekomm’s!“

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