Worüber die Quäntchen so quatschen – der Wochenrückblick

Worüber die Quäntchen so quatschen – der Wochenrückblick

2. Juli 2012 | von Birte Frey

Die dis­kus­si­ons­wür­digs­ten Themen diesmal: teure Katzenbilder und 292 Kommentare im Blog der Tagesschau.

Teure Katzenbildchen

„Wenn ein Blogger einen Brief von Getty Images bekommt, heißt das meistens nichts Gutes“ – so beginnt der Eintrag von Bloggerin Andrea Juchem. Auf acht Seiten setzt der Getty-Konzern Juchem auseinander, dass sie ein Bild in ihrem Blog verwandt habe, für das sie die Rechte nicht besitzt. Obwohl Juchem „in 99 Prozent der Fälle“ eigene Fotos hochlädt und sonst korrekte Lizenzen benutzt, findet sie das fragliche Bild: ein süßes Kätzchen. Es ist das Profilbild (Avatar) eines Dritten, der einen ihrer Artikel aus dem Jahr 2009 kommentierte. Knapp drei Jahre später soll das nun gut 1000 Euro kosten.

Doch statt zu zahlen, macht Juchem auf den Fall aufmerksam. Spätestens als Robert Basic von der Sache erfährt, wird aus Juchems „kleiner Schneekugel“ eine „Riesenlawine“. Am Ende zieht Getty die Forderungen zurück, wohl auch auf Rat ihrer deutschen PR-Agentur hin. Die Frage aber, die Basic an Getty via Twitter richtete, blieb unbeantwortet.

Ob sich für Blogger und andere Publizierende nun die generelle Deaktivierung von Avataren empfiehlt, wird seit Jahren unter dem Begriff Forenhaftung diskutiert. Juchems Anwalt ist sicher, in diesem Fall sei sie „rechtlich nicht belangbar“. Denn „Diensteanbieter“ haften gemäß Telemediengesetz solange nicht, bis sie von der fraglichen Stelle erfahren. Bei Unterlassungsansprüchen und Abmahnungen ist die Sache schon umstrittener.

Übrigens: Zum „Diensteanbieter“ wird man nicht nur durch einen Blog, auch ein Facebook-Profil genügt schon.

Tagesschau: Zu viele Kommentare im Blog?

„Durfte Zamperoni lächeln?“, titelte Kai Gniffke im Blog der Tagesschau einen Tag nach dem Fußballspiel Deutschland gegen Italien. Was war passiert? Gniffke fasst es zusammen: „In der Halbzeitpause des dusseligen Halbfinales moderierte der Deutsch-Italiener Ingo Antonio Zamperoni die Tagesthemen und sagte auf italienisch und deutsch: „Möge der bessere gewinnen”. Das Problem: Zu diesem Zeitpunkt stand es 2:0 für Italien.“

Diese Moderation empörte viele Fans dermaßen, dass sie die Redaktion mit Anrufen und E-Mails überhäuften. Fußball ist und bleibt nun mal ein sehr emotionales Thema, das zudem Trolle und leider auch nationalsozialistisch Gesinnte anzieht, die sich das Thema zu eigen machen wollen. Gniffke macht am Ende seines Blogbeitrages deutlich: Er findet Zamperonis Verhalten „korrekt“ und fragt seine Leser nach ihrer Meinung.

Hunderte von Lesern antworteten auf den Blogbeitrag. Nach 292 Kommentaren hatte der Autor allerdings genug. Folgender Hinweis steht seitdem unter dem Blogbeitrag: „[Anmerkung der Moderation: Wir haben aufgrund der hohen Anzahl der Kommentare die Kommentarfunktion geschlossen.]“ Eine Entscheidung, die für die Leser nur schwer nachzuvollziehen sein dürfte. Wurden sie nicht dazu aufgefordert, ihre Meinung zu äußern?

Einen Tag später, am 30. Juni, schreibt Kai Gniffke erneut im Blog der Tagesschau über Zamperoni, bedankt sich über den Zuspruch der Zuschauer und gibt zu, dass er sich hätte denken können, dass das Thema mehr Reaktionen hervorrufen könnte, als andere Blogbeiträge. Die Intensität der Diskussionen hätten ihn dennoch überrascht. In einem abschließenden Absatz rechtfertigt er die Deaktivierung der Kommentarfunktion tags zu vor: „Gestern gab es ja neben der ‘Staatsaffäre Tagesthemen’ noch zwei, drei andere Nachrichten, die uns mächtig auf Trab gehalten haben…“.

Eine Erklärung, die der Autor seinen Lesern schon hätte geben müssen, als er die Kommentarfunktion abschaltete. Bleibt die Frage: Kann es überhaupt zu viele Kommentare geben? Die Kollegen von Zeit Online beschweren sich jedenfalls nicht über viele Kommentare. Eine kleine Redaktion, die so umfangreiches Feedback nicht gewohnt ist, darf allerdings schon mal eine ausufernde Diskussionsrunde schließen. Aber Gniffke weiß auch selbst: Die Diskussion geht auch dann weiter, wenn man selbst nicht mehr mitdiskutieren möchte. Nur eben nicht mehr im eigenen Blog.

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