Medienkompetenz für alle!

Medienkompetenz für alle!

22. Dezember 2011 | von Birte Frey

Medienkompetenz außerhalb der Schule und was die Enquete-Kommission sich für die Forschung wünscht.

In dem Medienkompetenz-Zwischenbericht der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ geht es nicht nur um Jugendliche, wie in Teil I „Medienkompetenz durch Laptops?“ und Teil II „Verbrennt die Schulbücher“ beschrieben, sondern auch um Behinderte, Migranten und ältere Menschen, für die es speziell auf sie abgestimmte Angebote geben soll. Zudem soll „Medienkompetenz als das Erlernen des verantwortlichen Umgangs mit Medien nicht ausschließlich getrennt nach Altersgruppen vermittelt werden. Dem Zusammenwirken von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren kommt hierbei in Zukunft eine immer größere Bedeutung zu.“ Konkret:

„Ältere Menschen, die sich den Umgang mit dem Internet nicht zutrauen, können durch die jüngere Generation an die Möglichkeiten des Netzes, speziell auch sozialer Netzwerke, herangeführt werden. Umgekehrt ist aber ebenso davon auszugehen, dass Jüngere von dem Wissen Älterer profitieren, was zum Beispiel der Einordnung und Bewertung von Informationen zu Gute kommen kann“ (S.31)

Ob diese Idee umgesetzt werden kann, halte ich jedoch für fraglich. Erwachsene haben in der Position des Lernenden andere Bedürfnisse als Jugendliche. Sie lernen zielgerichteter und der Lernstoff muss an ihre Erfahrungen anknüpfen (vgl. Meier-Gantenbein, 2009, S. 171-172).

Außerdem haben Erwachsene andere Interessen als Jugendliche. Um ihnen die Vorzüge des Social Web näher zu bringen, muss ihnen der Nutzen und die Relevanz erklärt werden. Für Jugendliche steht eher die Freude an Kommunikation und Spiel im Vordergrund. Die Vermittlung von Medienkompetenz sollte daher unter Anleitung von didaktisch geschultem Personal geschehen und nicht mit Jugendlichen, die diesen Anforderungen gar nicht gerecht werden können.

Forschung, Koordination und das große Ganze

Gut finde ich die Forderung nach interdisziplinärer, praxisnaher Forschung, die an internationale Studien anknüpft. Insbesondere für Menschen mit Behinderung gibt es da wohl zu wenig im deutschsprachigen Raum. Das war mir bisher nicht bewusst. Da ich selbst schon Workshops an Schulen zum Thema Medienkompetenz gehalten habe, sehe ich das auch als Anregung für meine Arbeit: Wie muss ein Workshop konzipiert sein, damit er auch für Menschen mit Behinderungen funktioniert? Welche besonderen Anforderungen gibt es? Fragen, die auf meine To-do-Liste wandern. Über Tipps freue ich mich.

Bund und Länder müssen sich besser abstimmen, wenn es um Förder-Projekte geht. „Bislang erscheint die Vernetzung eher zufällig und ist verbesserungsfähig“ (S. 33). Um interdisziplinärer zu werden, soll ein Expertengremium her, das regelmäßig tagt. Unklar bleibt mir hingegen der Wunsch nach „Dauerhafte Investition“ und „innovationsfreundlichem Klima im Bildungssystem“ (S. 31). Was damit gemeint ist, werde ich wohl noch erfragen müssen.

Medienkompetenz: Nicht verbieten, sondern befähigen

Besonders positiv ist mir die Grundhaltung des Berichts aufgefallen: Es geht nicht um Verbote, sondern um Befähigung. „Medienkompetenz bedeutet nicht nur das Abwenden von Risiken, sondern auch die Wahrnehmung von Chancen – vor allem der zahlreichen Bildungschancen“ (S. 4).
Themen der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft  Quelle: http://www.bundestag.de/internetenqueteDer Zwischenbericht zeigt: Die Arbeit der Enquete-Kommission geht in die richtige Richtung. Übrigens beschäftigt sich die Kommission neben dem Thema Medienkompetenz auch mit Urheberrecht, Netzneutralität, Datenschutz  und einigen weiteren Themen. Siehe Screenshot.

Bis analoge und digitale Welt auch in den Köpfen der Bürokraten eins werden, wird die Enquete-Kommission wohl noch einige Berichte schreiben müssen.

Teil I: Medienkompetenz durch Laptops?
Teil II: Verbrennt die Schulbücher

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