Medienkompetenz durch Laptops?

Medienkompetenz durch Laptops?

16. Dezember 2011 | von Birte Frey

„Jeder Schüler braucht einen Laptop!” – der Zwischenbericht der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ fordert beinahe revolutionäre Änderungen im Schulwesen.

Screenshot: Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft" zieht Zwischenbilanz. Quelle: www.bundestag.de

„Herr Lehrer, Herr Lehrer, können Sie noch mal den Shortlink zur Hausaufgabe twittern? Der Link in meiner The-Deadline-To-do-Liste funktioniert nicht!“

Werden die Möglichkeiten des Webs im Unterricht zukünftig voll ausgeschöpft, könnten solche Wünsche zum Schulalltag werden. Doch bis dahin müssen Lehrer, Schüler und Eltern noch so einiges lernen. Die Enquete-Kommission für Internet und digitale Gesellschaft des Bundestages hat deshalb einen ganzen Empfehlungskatalog entwickelt (PDF). Passend zum heutigen Treffen der Kommission, möchte ich den Bericht etwas näher beleuchten.

In dem zweiten Zwischenbericht der Kommission geht es um die Förderung der Medienkompetenz aller von der Kommission identifizierten Zielgruppen, unter anderem Jugendliche, Senioren, Migranten, Behinderte und Arbeitslose.

Jede einzelne Gruppe ist wichtig, dennoch geht es mir zunächst um Jugendliche. Die wohl wichtigste Forderung des Berichts? Jeder Schüler soll einen eigenen Laptop bekommen.

Computerräume sind tot, es leben die Laptops

„Computerräume sind nicht mehr zeitgemäß, da sie das Erlernen von Medienkompetenz vom normalen Unterricht entkoppeln. Jeder Schüler soll einen eigenen Laptop bekommen, um ihn jederzeit im Unterricht einsetzen zu können.“ (vgl. S. 21)

Ich halte den Ansatz für richtig. So können Schüler die Laptops jederzeit einsetzen, aber auch zuklappen, wenn’s mal nötig sein sollte. Der Lösungsvorschlag ist auch eine Antwort auf ein Dilemma: „Wieso Lehrer qualifizieren, wenn keine PC-Ausstattung vorhanden ist und warum in Hardware investieren, wenn es doch keine ausreichende Lehrerqualifizierung gibt?“

Diese Laptops sollen alle robust, leicht, günstig und gleichwertig sein, heißt es in dem Bericht. Das gibt’s doch gar nicht, denken sie jetzt? Richtig, deswegen sollen die Geräte gemeinsam mit Unternehmen entwickelt werden (vgl. S. 21). Aber wer soll für die Entwicklung aufkommen? Offensichtlich die Eltern, denn die sollen – so die Idee – die Geräte möglichst von der Steuer absetzen können. Das praktische daran: Die Laptops würden den Schülern gehören und nicht den Schulen. Damit wäre man zumindest die Trojaner los.

Trotzdem würde das einige Eltern vor finanzielle Probleme stellen. Denn selbst wenn der Laptop „nur“ ein paar Hundert Euro kostet, die später erstattet werden, ist das für viele Menschen trotzdem ein ordentlicher Batzen Geld, den sie ersteinmal vorstrecken müssen. Zumal in dem Bericht nicht klar wird, wie hoch die steuerliche Erstattung ausfällt.

Den Schreibern des Berichts ist aber bewusst, dass da noch ein paar Hirnwindungen ausgewrungen werden müssen, bis geklärt ist, woher das Geld kommen soll: „Schließlich sind auch Finanzierungsmodelle erforderlich – mit entsprechenden Austauschzyklen der Geräte“ (S. 21). Neben der Anschaffung der Geräte muss nämlich auch die Wartung gesichert sein und geklärt werden, welche Programme auf den Geräten sein sollen und wie diese finanziert werden. Außerdem müsste es Personal geben, welches die Wartung übernimmt und den Schülern bei technischen Problemen zur Seite steht.

An anderer Stelle im Bericht heißt es dann wieder: „Die Enquete-Kommission sieht hinsichtlich der Anwendung im Unterricht und der Beschaffung der Geräte einen hohen Koordinationsbedarf, der bundesweit zu lösen ist“ (S.34). Damit sind – vermutlich – Sammelbestellungen gemeint. Ein guter Ansatzpunkt, um Sponsorengelder zu akquirieren. Unternehmen könnten Geld dazu geben, sodass die Laptops für alle Schüler günstiger werden. Optimal wären außerdem Zusatzlaptops für jede Klasse, falls mal ein Schüler-Laptop streikt oder der Schüler ihn zu Hause vergessen hat. Die Finanzierung wäre natürlich auch an dieser Stelle noch zu klären.

Tablets für Vorschulkinder

Interessant finde ich die These, dass Vorschulkinder künftig mehr Internet nutzen werden, weil Tablet-Computer sich immer größerer Beliebtheit und damit auch Verbreitung erfreuen. Tablet-PCs eignen sich für Vorschulkinder nämlich viel besser als normale Computer: „Sie sind zwar durchaus touchscreen- oder maus-, aber nicht oder nur äußerst selten tastaturkompetent“ (S.20).

Prof. Dr. Beat Doebeli Honegger, Dozent mit Forschungsauftrag am Institut für Medien und Schule der PHZ Schwyz, wies mich per Tweet darauf hin, dass das nicht mehr nur reine Zukunftsmusik ist, sondern schon jetzt Tablet-Pcs bei der Vermittlung von Medienkompetenz in Kindergärten eingesetzt werden.

Beat Doebeli über den Einsatz von iPads im Kindergarten.

Wir sind uns jedoch einig, dass es sich hierbei um vereinzelte Vorreiter handelt.

Aber die Einführung von Laptops in den Schulunterricht ist nicht die einzige Forderung der Enquete-Kommission. In zwei weiteren Teilen werde ich in den nächsten Tagen auf die Forderung nach mehr Medienkompetenz für Lehrer und Medienkompetenz in Forschung und Lehre eingehen.

Teil II: Verbrennt die Schulbücher

Teil III: Medienkompetenz für alle!

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