Lehrer auf Facebook: Eine Zweitidentität ist keine Lösung

Lehrer auf Facebook: Eine Zweitidentität ist keine Lösung

11. Mai 2012 | von Birte Frey

Wie sollten Lehrer mit Freundschaftsanfragen ihrer Schüler auf Facebook umgehen? Die Lehrerin Frau Johannpeter hat einen Versuch gestartet, der leider gegen die Facebook-Richtlinien verstößt.

Auf Facebook vermischt sich Berufliches und Privates. Vor allem für Lehrer ist das ein Problem. Nehmen sie dort die Freundschaftsanfrage eines Schülers an, können diese auch ihre private Kommunikation mitverfolgen – Partyfotos, Geburtstagsglückwünsche und Beziehungsstatus werden für die Schüler sichtbar. Der Fall Frau Johannpeter zeigt, wie schwierig es für Lehrer ist, damit umzugehen.

Zweitidentität mit Modellcharakter?

Nico Kirch über den Artikel Befreundet mit „Frau Johannpeter“Nico Kirch hat über Twitter auf einen Artikel bei Welt Online aufmerksam gemacht. Die Lehrerin Frau Johannpeter hat, um mit ihren Schülern in Kontakt bleiben zu können, ein zweites Profil bei Facebook angelegt. Neben ihrem privaten Profil pflegt sie ein zweites unter dem Namen “Frau Johannpeter”. Über dieses Profil bleibt sie mit den Schülern in Kontakt, kommentiert deren Fotos oder gibt über Gruppen Änderungen im Stundenplan bekannt.

Verstoß gegen die Facebook-Richtlinien

Diese Vorgehensweise hat Modellcharakter: An der Karlschule in Hamm, an der Frau Johannpeter unterrichtet, ist der berufliche Facebook-Account jetzt laut Welt Online Voraussetzung für alle Lehrer, die mit ihren Schülern über Facebook in Kontakt bleiben möchten. Das Problem ist, dass diese Zweitidentitäten gegen die Richtlinien von Facebook verstoßen. In den Nutzungsbedingungen von Facebook steht unter 4. Registrierung und Kontosicherheit, dass jeder Nutzer nur ein Personenprofil anlegen darf. „2. Du wirst nur ein persönliches Profil erstellen.“

Eine Alternative: Kontaktlisten

Screenshot: Kontaklisten bei FacebookEine Alternative für Frau Johannpeter und ihre Kollegen sind die Kontaktlisten von Facebook. Dort kann jeder Kontakt einer Liste zugeordnet werden. Bei jedem Post kann dann entschieden werden, welche Kontakte diesen sehen dürfen. Screenshot: Statusmeldung bei FB adressiern

Hat man bereits einen Facebook-Account mit vielen Kontakten, ist diese Vorgehensweise leider recht umständlich, da jeder Kontakt nachträglich zugeordnet werden muss und es bei Facebook leider keine Drag-and-Drop-Funktion wie bei den Google-Plus-Kreisen gibt. Aber diese Vorgehensweise entspricht wenigstens den Richtlinien von Facebook.

Kommentare

Senf dazu?

11. Mai 2012 | Josef

Die wichtigste Frage ist aber erstmal: Wird so ein Profil im Zweifelsfall von FB gelöscht? Oder steht das da nur drin, um Spammer abzudrehen?

11. Mai 2012 | B.Frey

Ja, die Frage stelle ich mir auch. Leider habe ich da keine Erfahrungswerte. Kann mir aber vorstellen, dass wenn das nicht nur einzelne Lehrer machen, sondern viele Schulen dieses System übernehmen es bei Facebook auffallen wird. Entweder löschen sie dann, oder sie sehen es als Anstoß, um eine praktikablere Lösung für Schulen zu finden. Mit den Gruppen für Schulen https://www.facebook.com/about/groups/schools haben sie ja schon einen Schritt in die Richtung gemacht.

Senf dazu!

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