Buzzword Bingo mit „Heiko“: Ideenentwicklung mit der Zielgruppe

Buzzword Bingo mit „Heiko“: Ideenentwicklung mit der Zielgruppe

14. November 2017 | von Anna Groos

„Heiko“ starrt mich an. Ich wiederhole meinen letzten Satz: „Wir timeboxen die Create-Phase und ihr habt fünf Minuten Zeit um eure Idee in fünf bis sechs Scribbles zu packen.“ Starren. „Ehm, drei bis vier Scribbles reichen auch.“ Erneutes Starren. Mir wird bewusst, dass ich mit „Heiko“ grade ungewollt Buzzword Bingo spiele.

„Heiko“ ist Malermeister und heißt eigentlich gar nicht Heiko. „Heiko“ ist der Name der Persona, die ihn und seine Zielgruppe beschreiben soll: männlich, zwischen 40 und 50, Malermeister, Inhaber eines eigenen Betriebs, Innungsmitglied, markentreu, verheiratet, zwei Kinder. An diesem Abend im ab + zu treffen zwei „Heikos“ auf zwei Verteter unseres Kunden und zwei Quäntchen. Gemeinsam wollen wir Ideen für ein digitales Produkt entwickeln, das „Heikos“ Arbeitsalltag erleichtern soll. Mit Design-Thinking-Methoden, die wir regelmäßig anwenden – mit uns selbst oder mit Projektpartnern aus Digital- oder Marketingabteilungen – die wir aber noch nie mit Fachfremden ausprobiert haben. Aber alles der Reihe nach.

Nutzer einbeziehen, bevor die Entwicklung startet

Gemeinsam mit dem Kunden entwickeln wir ein Produkt (eine mobile App, eine Webapp, einen Web-Service, whatever), das Malermeistern in ihrem Arbeitsalltag eine wirkliche Hilfe sein soll. Ein solches Produkt entsteht weder am Schreibtisch, noch in Konferenzräumen. Es entsteht im Dialog mit denen, die es am Ende gerne nutzen sollen. In unserem Fall: Malermeister. Wir arbeiten in diesem Projekt mit einem Mix aus Lean-Startup- und Design-Thinking-Methoden. Zwei Buzzwords, die für uns bedeuten: Wir beziehen die Nutzer des Produktes so früh wie möglich in den Entwicklungsprozess mit ein. In diesem Fall hieß das: Zielgruppen identifizieren, Personas wie „Heiko“ entwickeln, sie zu ihrem Arbeitsalltag interviewen, ihre Problemchen und Probleme erkennen und zu Problemfeldern verdichten. Am Ende der ersten Iteration dieses Prozesses fanden wir uns im ab + zu wieder und entwickelten gemeinsam mit der Nutzerzielgruppe „Heiko“ Lösungsansätze und Ideen für ihr Problemfeld. Nur, um diese dann erneut abzutesten und irgendwann mit diesem Input in schlanken Zyklen zu einem ersten Produkt zu kommen.

Und wie lief das?

Was ich den „Heikos“ in meinem von Agentursprech getränkten Satz also eigentlich erklären wollte, waren die Spielregeln des Design Studio. Design Studio ist eine Methode aus dem Design Thinking, mit deren Hilfe interdisziplinäre Teams in kurzer Zeit einen großen Haufen Ideen produzieren können. Wie das Design Studio funktioniert, hat der Usabilityblog schön aufgeschrieben – ebenfalls gespickt mit Begriffen wie „Design Challenge“, „User-Research-Phase“, „Nutzungskontexte“ und „Customer Journeys“, bei denen „Heiko“ wahrscheinlich genauso missbilligend gestarrt hätte.

Ideen mit Nutzern entwickeln – lohnt sich das?

Doch trotz anfänglicher Kommunikationsschwierigkeiten war der Ideenabend ein großer Erfolg. Im Design Studio entwickeln alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleichberechtigt und unabhängig voneinander Ideen, die sie gegenseitig kritisierten und weiterentwickelten. Und auch „Heiko” war am Ende überzeugt. Von seiner Idee, wichtige Mitteilungen an seine Mitarbeiter ins Werkstattklo zu hängen – und vom Design Studio. „Nur das mit dem Englisch, das könntest du nächstes Mal sein lassen.”

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